„Wir müssen bei den voraussetzungslosen Deutschen damit anfangen, dass wir die erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die Voraussetzung, dass die Menschen imstande sein müssen zu leben, um »Geschichte machen« zu können. Zum Leben aber gehört vor Allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges Andere.“ (Karl Marx)

Zum Leben in der immer chaotischer werdenden Gegenwart, verunstaltet von globalistischem und multikulturellem Wahn, einer Ideologie, die weder bis zu Ende gedacht ist noch überhaupt funktionieren kann, gehört die immer schmaler werdende Ressource der Planbarkeit des eigenen Hier und Jetzt, der positiven Perspektive. Corona hat wie in einem Brennglas diese Problematik noch einmal verschärft, Bruchlinien aufgezeigt und unversöhnliche Widersprüche offengelegt.

Wie kann es sein, dass zwei Monate Umsatz- und Einnahmeausfall bei fast zwei Dritteln der Selbstständigen und familiengetragenen Mittelständler im angeblich so reichen Deutschland den ökonomischen Untergang bedeuten? Wie kann es sein, dass gesellschaftlich lebenswichtige Industrien politisch gewollt in insuffiziente Länder ausgelagert werden, die dann beim ersten Regen absaufen? Wie kann es sein, dass gebildete Gesellschaften eine Sucht nach Selbstaufgabe und Untergang entwickeln, sei es, indem sie immer bildungsfernere Gruppen an existenziellen Fragen beteiligen oder aus Furcht vor Verantwortung ihr Heil in delegitimierten supranationalen Strukturen suchen?

Plötzlich fällt der Blick hinter eine Fassade, die in weiten Teilen nur noch von der propagandistischen Farbe zusammengehalten wird. Deutschland hat die höchsten Steuersätze der OECD, die geringsten Vermögenswerte (im Median gemessen) und ein Rentenniveau was prozentual zum letzten Einkommen unverschämt ist. Wir diskutieren hier nicht die Frage, ob im Westen die Rente noch durch weitere Einkünfte aufgestockt wird oder Mann und Frau als Bedarfsgemeinschaft fungieren. Interessant ist die Tatsache, dass 1960 der Spitzensteuersatz beim 22-fachen des Durchschnittslohnes zum Einsatz kam, heute bereits beim Zweifachen. Ganz offensichtlich ist, dass hierzulande allein die immer noch vorhandene innovative Kraft der Erwerbstätigen, ihre Disziplin und Leistungsbereitschaft, für den Wohlstand aufkommt. Also nicht wegen der verfassten Staatlichkeit, sondern trotz derselben.

Wer jetzt und hier Gedanken nachgeht, der deutsche Staat müsse noch solidarischer werden und – um seine Leistungsfähigkeit zu erhalten – noch mehr Umverteilung organisieren, auch von der steuerlichen Entlastung der Bürger hin zur Besteuerung von Körperschaften, blendet all den teuren ideologischen Ballast aus, der das richtig große Geld erst kostet oder bereits gekostet hat: Energiewende (seit 2011 etwa 600 Mrd. Euro), Euro-Rettung (mind. 900 Mrd. Euro, wenn man Target-2 dazu addiert, noch einmal 1 Billion Euro), Migration (mindestens 55 Mrd. Euro pro Jahr) usw. Die EU möchte nach dem Brexit 42 Prozent mehr Direktzahlungen aus Deutschland, eine europäische Arbeitslosenversicherung wird mit deutschem Steuergeld garantiert, Corona-, Klima-, Wiederaufbau-Fonds werden in Milliardenhöhe aufgelegt. Als Sahnehaube seien Hilfszahlungen in alle Welt genannt: gendergerechte Toiletten in Tansania, „divers“ orientierte Schulbücher für Afrika, Stuss, Nippes, Bakschisch, Bimbes für rote, grüne und vermummte Schläger und mehr. Solidarität heißt in Zukunft, dass in Deutschland bis 70 gearbeitet wird – damit andere Länder weiterhin mit 63 in Rente gehen können. Die Differenz in den Rentenkassen dieser Länder kommt – aus Deutschland.

Der Fehler liegt also nicht in der Verteilung, sondern im System selbst. Es ist selbst-referenziell, wie schnell wachsende Fettzellen benötigt er mehr und immer mehr Nahrung in Form von Geld, Steuergeld. Deutschlands Umverteilung verschlingt schon jetzt etwa 10 Prozent der umverteilten Gelder, je nach Zählung zwischen 30 und 50 Mrd. Euro. All das sind staatliche Planstellen, abhängige und damit gefügige Claqueure.

Und hier kommt das eigentliche Anliegen zum Tragen: mit jeder Stunde Mehrarbeit, notwendiger Existenzsicherung, mit jedem Euro aufgezehrter Rücklage unseres Mittelstandes schwindet die Kapazität politischer Betätigung, ja auch die Zeit und Fähigkeit den eigenen Verstand zu gebrauchen. Menschen, die ihrer Identität mehr und mehr beraubt, aus ihrer Geschichte gerissen und in ihrer Kultur als Schuldige gebrandmarkt werden, werden in einem gesichtslosen „Jetzt“ alle Hände voll zu tun haben, ihre bloße Existenz mit dem notwendigen Wohlstand anzureichern, den man Leben nennen kann. Sie werden keine Parteien mehr gründen und aus Furcht vor sozialem Abstieg das Gegebene, medial Vorgekaute weder in Zweifel ziehen noch negativ kommentieren. Das, liebe Freunde, ist das Ziel linker Politik: ein deutsches Heer von Fleißmeisen, denen man einredet, sie seien die Garanten von Europa, ihre Hautfarbe mache sie zu Sklaven einer über Jahrhunderte erworbenen Schuld, die es nun abzutragen gilt. Eine subtile aber nachhaltige Auslöschung.

Und was tun wir? Wir streiten fast wie nach Drehbuch. Wir debattieren über vorgehaltene Stöckchen, das Für und Wider des Springens. Wie kann ich mich waschen ohne nass zu werden?

Derweil werden in immer schnellerer Folge Fakten geschaffen, Fakten, die unsere Arbeit mehr und mehr unmöglich machen sollen. Dabei ist doch eines klar: Je schneller es gelingt, unseren Mitmenschen die verklebten Augen zu öffnen, je mehr dieser Mitmenschen ihr neues Sehen dann weitergeben werden, desto schneller gelänge uns der Griff ins Rad der Geschichte. Es gibt nur diese Wirksamkeit, alles andere ist mäkelnde Protest-Folklore. Letztere ist kein Patriotismus, sie ist sogar Teil des abgekarteten Spieles linker Demokratie-Simulation. Unsere Rolle darin ist die des mittelalterlichen Hanswurst, im Draufschlagen vergewissern sich die Guten ihrer vermeintlichen moralischen Überlegenheit.

Dass dieses System zur Zufriedenheit seiner Akteure funktioniert, verdankt es einem ausgeklügelten, psychologisch fein tarierten Werkzeugkasten an Mitteln und Wegen. Sie sind übrigens das Gegenteil von den amerikanischen „checks and balances“, welche Demokratie erst ermöglichen. Strategie und Taktik, Dialektik und weitere Prinzipien sind keine verteufelt linken Dinge. Sie sind aber von Linken erfunden worden um Zusammenhalt und Schlagkraft von Menschen zu organisieren, unter Zurückstellung individueller Interessen. Sie erst generieren eine gesellschaftliche Gravitation, der immer weniger Akteure entkommen können.

Soll man nun ablehnen was funktioniert? Das ist keine theoretische, sondern eine praktische Frage. Wenn wir jenseits des persönlichen Fortkommens wirklich etwas erreichen wollen, geht wohl kein Weg an ihr vorbei.

Der Streit, in welches Gefäß die auf der Straße herumliegenden Themen nun gefüllt werden soll, hat teilweise absurde Züge angenommen. So wie die babylonischen Turmbauer sich in ihrer Sprachverwirrung die Schädel einschlugen, ist die immerwährende Kontroverse ohne Kompromiss ein politisch folgenloses Spektakel zur Erheiterung unserer Mitbewerber. Es sei hier darauf verwiesen, dass Merkel und ihre Impulsgeber nicht nur genau das in der DDR und in Moskau studiert haben, sie setzen es ganz offen lesbar nun seit fast zwei Jahrzehnten um. Während der Westen, gefangen in einer Mischung aus Arroganz und Naivität überrumpelt werden konnte, erkennt der Osten zwar die Lage, verleugnet jedoch historisch gewachsene Einsichten. Niemals (oder jedenfalls nicht absehbar) wird materielle Not und damit der Druck der Straße in diesem Land etwas verändern. Die Grünen brachten mit APO und ihrem ungewaschenen Schnickschnack in den 90er Jahren Millionen Menschen auf die Straße. Doch erst der Einzug in die Parlamente, das Abspalten oder Eindämmen ihrer „Fundis“ brachte den „Realos“ Einfluss und Wirkungsmacht. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Wer die Realität erkennt, ist klar im Vorteil. Hinzu kommt, dass die „unteren“ Schichten zwar überall in der Mehrheit sind, ihr Träumen gleicht aber der gelebten Wirklichkeit weiter „oben“. Es ist unwahrscheinlich, dass sich abseits von Wahlen ein wie immer geartetes gesellschaftliches Interesse nach unten orientiert. Warum sollte es?

Wir müssen es schaffen, Politik nicht einfach als eine gerissene Geisteshaltung fortzusetzen, die es ermöglicht, seine eigenen Interessen geschickt zu schützen und die Pläne der anderen zu durchkreuzen.

Der Dreh- und Angelpunkt ist Verantwortung, das Credo die Aufgabe. Allein unser Bewusstsein wird den Weg unseres Seins erleuchten.

  1. Juni 2020