Noch immer weiß kein westliches Land, wie viele seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger sich jeweils wirklich mit dem neuen Sars-CoV-2 infiziert haben – und daher bereits immun sind. Keiner kann daher derzeit vorhersagen, ob die Infektionsrate nach einer Beendigung der strengen Ausgangssperren und sonstigen den Kontakt einschränkenden Massnahmen sofort wieder in die Höhe schnellen wird. Um dies – und damit einen weiteren, für Wirtschaft und Gesellschaft katastrophalen Lockdown – zu verhindern, müsste man baldmöglichst mit sogenannten Antikörpertests beginnen.
Jessen in Sachsen-Anhalt ist ein großer Flächenkreis mit ca. 8.000 Einwohnern. Er ist seit ein paar Tagen abgeriegelt, seine Ortsteile stehen unter strenger Quarantäne. Hier könnte man in einem sofort umsetzbaren Feldversuch die nötigen Erhebungen durchführen. Die Einwohner würden das sicherlich akzeptieren, immerhin werden alle getestet, ein Privileg, das bislang nur unter gewichtigen Auflagen gewährt wurde. Unmittelbar danach könnte man zum ersten Male die Dunkelfelder der Erkrankten, Infizierten und Symptomlosen erfassen, nach weiteren Tests kann man sogar die jeweiligen Entwicklungen der verschiedenen Gruppen nachvollziehen. Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung und in Korrelation mit den gemeldeten Erkrankungen in den verschiedenen Bundesländern ergäbe sich ein Lagebild – man wüsste in etwa, wo wir derzeit wirklich stehen. Vielleicht wollen wir es nicht wissen?
Die EU war seit der Migrationskrise 2015, dem Brexit und bevormundenden Auseinandersetzungen mit Ländern wie Polen und Ungarn in keiner guten Verfassung. Im Moment scheint es, als würde Corona im Verbund mit Ursula von der Leyen dieser „Wertegemeinschaft“ den Rest geben. Zu langsam, zu spät: Der Club entpuppt sich als eine Schönwetter-Schimäre, bezahlt mit deutschem Geld und befüllt mit moralinsaurer deutscher Schuld und ihrem Ablass. Für Italien und Spanien war sie keine Hilfe, flehende Bitten wurden aus Brüssel noch nicht einmal beantwortet. China half, Russland schickte Material und Ärzte, sogar die USA, selbst bis zum Hals in Problemen an der Corona-Front, verschiffte Material im Wert von 100 Millionen Dollar. Italien ist nun sauer, seine Zeitungen machen daraus keinen Hehl mehr. Salvini kündigte an, das Land aus der EU zu führen. Er wird für diese Idee Zuspruch bekommen. Zielsicher hätte von der Leyen auch diesen Job frontal gegen die Wand gefahren. Man hat es erwarten dürfen!
China, Japan, Taiwan, Singapur und weitere Staaten haben in den vergangenen Wochen rational reagiert, nach anfänglichem Zögern schnell erkannt und konsequent umgesetzt. Zur Hilfe kamen die dortigen Bevölkerungen, die noch nicht von Individualismus, bei uns ja bis zum störrischen Nihilismus gezüchtet, zersetzt worden sind. Diszipliniert und mit großer Opferbereitschaft hat China den Takt vorgegeben: 40.000 Ärzte wurden aus allen Teilen des Landes eingeflogen, 50.000 Betten wurden fast über Nacht gebaut, technologisches und logistisches Neuland bildete den Rahmen eines nie dagewesenen Umganges mit komplexen Herausforderungen. Wie sehr der Westen gegenüber den einstigen asiatischen Tigerstaaten verloren hat, steht nun wie ein rosa Elefant in jedem Wohnzimmer.
Wenn nun in sehr kurzer Zeit unterschiedlichste Gesellschaftssysteme, Demokratien wie Monarchien, verfeindete Staaten, sogar die immer um Hegemonie ringenden Supermächte einer bestimmten Logik der Politik folgen – ist das alles andere als eine Weltverschwörung und auch kein Umsturz. Der Weg zur gemeinsamen Einsicht dauerte bei einigen Staaten länger als bei anderen, manche sind auch in der Umsetzung konsequenter oder disziplinierter als andere. Aber allen ist offenbar klar geworden, dass es politisch nicht machbar ist, ihre Gesellschaften mit den Bildern zu konfrontieren, die unweigerlich und über Wochen dann unser Leben bestimmen würden.
Bis heute glauben hierzulande Hobbymediziner, Amateur-Epidemiologen, Möchtegernimmunologen und Sofaspezialisten für Bevölkerungsentwicklung, eine immer vorhandene Phalanx von „Experten“, an den absichtsvollen Fake der Ereignisse. Wer jeden Freitag auf die Straße geht, um das Wetter in 100 Jahren zu verändern, muss offenbar so denken. Aber die Quartalsirren sitzen nicht nur auf dieser Seite. Auch konservative Salon-Patrioten wollen nicht wahrhaben, dass ein paar Kilometer weiter, im Elsass, schon mit der Triage, der aus der Kriegschirugie übernommenen Selektion, gearbeitet wird.
Wenn man sich schon mit den vermeidbaren Wirren auseinandersetzt, könnte man beim Strategiepapier der Bundesregierung von 2012 beginnen. Dort steht viel Kluges geschrieben, nur umgesetzt wurde davon herzlich wenig. Dass in einem der entwickeltsten Länder Ärzte ohne Schutzmaterial und Kliniken ohne Desinfektionsmittel ins Rennen um Leben und Tod geschickt werden, dass wie im letzten Kriegswinter die Tagesschau auf ihrer Webseite Anleitungen zum Selbernähen veröffentlicht, ist so lachhaft, dass es schon wieder ein Verbrechen ist. Den erfahrenen Beobachter beschleicht die Vermutung, dass bei der Nominierung von Spahn zum Gesundheitsminister eher sein Schwulsein eine Rolle gespielt hat, als Kompetenz und Führungsstärke. Wie „queer“ Idiotie sich bemerkbar macht, wurde in der BPK deutlich, als Spahn frech dozierte: „Es wird Niemand gezwungen, niedergelassener Arzt zu sein.“ Vielleicht ist er in der Spargelernte besser aufgehoben?
500 Milliarden Euro wurden in drei Tagen durch Bundestag und Bundesrat gepeitscht, ein Nachtragshaushalt von über 150 Milliarden beschlossen – Futter für wenige Wochen Zivilisationsausstieg. Die Flüchtlingsrücklage i.H.v. mehr als 50 Milliarden wurde aber nicht angetastet. Und so kommt was kommen musste: Weil auch die weltenrettende Kanzlerin nicht beliebig Geld aus dem Nichts schaffen kann, wird sie hier zur sprichwörtlichen schwäbischen Hausfrau. Denn während Kreti und Plethi hier mit Geldgeschenken zugeschüttet werden, Kindergeld an nicht einmal hier lebende Kinder bezahlt und ganze türkische Familien krankenversichert werden, die noch nie ihren Fuß auf deutschen Boden gesetzt haben, bekommen die Mittelständler, Selbstständigen, Handwerker und mit hohen Steuersätzen Geschröpften – Kredite. Hilfszahlungen unterliegen der Steuer, Ordnung muss sein. Geschenktes Geld gibt es für Araber und Afrikaner. Denn sie haben – wir hatten das Thema im Bundestag – am Aufbau Europas wegweisend mitgewirkt. Na dann!
Das Corona-Virus zeigt übrigens auch, dass die angeblich alternativlose Globalisierung mehr Schatten wirft als sie Licht bereitstellen kann. 800 Medikamente sind zurzeit in Europa nicht lieferbar. Die zu ihrer Fertigung notwendigen Fabriken stehen still und meist in China und Indien, die Container mit dringend benötigten Masken und Schutzanzügen warten in asiatischen Häfen auf Abfertigung. Vielleicht wird nun klarer, warum Donald Trump unmittelbar nach seiner Wahl verkündete, dass alle systemrelevanten Industrien, alle gesellschaftlich lebenswichtigen Wertschöpfungen in die US-Grenzen zurückgeholt werden müssten. Auf diese Weise ist die USA vom größten Erdölverbraucher der Welt sogar zum größten Exporteur geworden, auch den benötigten Stahl produziert die US-Wirtschaft nun zu Hause.
Und noch ein Ende gibt es zu vermelden, es betrifft die Luxus-Dekadenz der Greta-Büßerinnen. Noch vor Tagen jubelte man einem kranken Mädchen zu. Es rief: „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ Bei Erich Weinert heißt das dann: „Rom war erwacht, doch nicht wie er gedacht und nächste Nacht ward Nero umgebracht.“
An Panik ist derzeit kein Mangel, nur der Feinstaub will auch ohne Verkehr nicht sinken. Armer Westen!
31.3.2020
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