Wenn man in die Runde der sozialen Medien schaut, wenn man die Mühen und Beschwernisse täglicher Selbstfindung und -vergewisserung kennt, so sind die Fragen und Antworten daraus im Ergebnis eine geglückte Tat wahrer Patrioten. Es mutet nach einem Kulturkampf an, mit sehr viel weiter reichender Bedeutung. Was also ist patriotisch?

Was hält uns eigentlich zusammen, welche Ziele und Wege machen uns in unserem Land aus?

Michael Richey, Mitglied der „Patriotischen Gesellschaft“, formulierte in der „moralischen“ Zeitschrift „Der Patriot“ im Jahre 1724, ein Patriot sei ein Mensch, „dem es um das Beste seines Vaterlandes ein rechter Ernst ist, einer, der dem gemeinen Wesen redlich zu dienen beflissen ist“.

Johann Moritz Gericke schrieb 1782, dass „Patriotismus derjenige starke innere Antrieb sei, der das Beste des Staates zum Augenmerk hat, und seine Wohlfahrt auf alle mögliche Art zu befördern sucht.“ Von hier bis zur Aufforderung John F. Kennedys „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, sondern fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt“ ist es nur ein kurzer Weg.

Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt, ein Nationalist als übersteigerter Vertreter verachtet die Vaterländer der anderen. Wir wollen ein Volk guter Nachbarn sein, in Europa und in der Welt. Das ist auch der Anspruch unserer Partei: Ein Europa der Vaterländer!

Wir dürfen also Patrioten sein und unser Vaterland lieben. Dies ermöglicht uns in gleicher Weise, von diesem festen Stand aus, zu aktuellen Fragen der Tagespolitik viele verschiedene Meinungen zu haben. Die Liebe zu unserem Land macht uns darüber hinaus bereit und fähig,  Andere und ihre Positionen zu respektieren und zu achten.

Was also bedeutet es, ein deutscher Patriot zu sein, als deutscher Patriot zu leben?

Wir sind dankbar für die Freiheit, die mit der Einheit allen Deutschen geschenkt wurde. Wir leben Freiheit. Wir wissen, dass die Demokratie nicht nur auf die gestaltende Kraft gewählter Politiker, sondern in gleicher Weise auf die Mitarbeit und Leistungsbereitschaft der Bürger angewiesen ist. Demokratie sind wir alle – zu Hause, im Betrieb, unter Freunden und auf der Straße! Denn Demonstrationen sind die „Luftröhre der Demokratie“.

Wir können das in der DDR erlebte totale System der Unfreiheit mittlerweile besser einschätzen, ein System, welches seine Bürger gängelte, bestrafte und belohnte, versorgte und überwachte, bremste und kontrollierte. Deswegen haben wir ein „deja vu“, jeden Tag! Auch in diesem System konnte man Nischen des halbwegs zufriedenen persönlichen Lebens finden, sich dem Staat wenigstens teilweise entziehen. Seinen persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entsprechend entfalten aber konnte man sich kaum.

Also wehret den Anfängen! Zwei Gesellschaftsexperimente auf unserem Boden sind genug!

Den grundlegenden Unterschied der Freiheit und der Unfreiheit sollten wir immer im Auge behalten, auch dann, wenn hin und wieder in nostalgischen Erinnerungen die Vergangenheit verklärt wird.

Freiheit verpflichtet. Es geht um ein positives Verständnis von ihr, um ihre Gestaltung und unser Engagement und die ihr stets verbundene Verantwortung. Es geht um die Freiheit, Bürgersinn zu zeigen und schöpferisch mitzumachen. Kritisch – aber sinnstiftend! So liest sich der Anspruch unseres Parteiprogrammes.

Patriot zu sein heißt damit, fest in den Wurzeln zu stehen, die uns die Verfassung ausweist. Patriot zu sein heißt, bewusst in unserer Geschichte zu stehen, in allem, was sie uns an Gutem und an Schlimmem; im Gelingen und im Scheitern gebracht hat. Mut zur Wahrheit! Richtig ist aber auch, niemals Schuld anzunehmen wo Verantwortung das gerechtere, bessere Gebot ist.

Einen Stillstand gibt es dabei nicht. Alle Bürger müssen unsere Verfassung und die Gesetze achten. Tun wir dies, sind wir eingeladen, an der Fortentwicklung unseres Gemeinwesens mitzubauen. Wir sollten als Patrioten von einem festen Stand aus dabei helfen, den Zusammenhalt aller Menschen dieses Geistes zu fördern.

Wir brauchen jedenfalls den positiven Patrioten, keine „Tugend der Boshaften“ wie Oscar Wilde schrieb. „Je schlechter das Land, desto besser die Patrioten“ hat Goethe beobachtet. In jedem Falle können wir uns sicher auf Napoleon verständigen: „Die Stärke der Patrioten besteht in ihrer Einigkeit“.  Das allerdings sagt sich leicht. Diese Einigkeit ist nämlich das Gegenteil von Einerlei. Nicht jeder kann alles sagen und schreiben. Wir können mit keiner Restauration unsere Zeit in eine längst vergangene Ordnung zwängen. Dazu ist zu viel passiert. Manch einer möchte immerfort von seinem heimlichen Stübchen nach draußen schauen – wo es abgründig zugeht.

Wenn wir Politik für Menschen machen wollen, brauchen wir ihre Stimme! – Je mehr, je schneller, je verlässlicher – umso besser für Deutschland.

Es ist nicht patriotisch, in Ganze und Halbe zu teilen, es ist nicht patriotisch, Andere klein zu treten um selbst größer zu erscheinen. Es ist nicht patriotisch, nach etlichen anderen, gescheiterten Parteimitgliedschaften, nach Insolvenzen und unbewältigten Lebensbrüchen in unserer Partei eine Alternative für sich selbst zu suchen. Wir sind die Alternative für Deutschland – oder wir werden zukünftig Nicht sein!

„Fatal ist mir das Lumpenpack, das um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau, mit allen seinen Geschwüren.“ Das ist Heinrich Heine, der literarische Hauptvertreter des jungen Deutschland! Man kann ihn eigentlich nicht falsch verstehen.

Was wir also alle brauchen können, ist ein patriotisches Herz und einen klaren Verstand. Strategie und Taktik, Mut und Willenskraft, für unsere Ziele zu streiten. Nicht laut, sondern effektiv, nicht polternd, sondern intelligent. Nicht abschreckend, sondern gewinnend!

„Patrioten sind Menschen, denen Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz mehr bedeuten als Heimat und Existenz.“

Ein fast universeller Anspruch! Leben wir ihn!